Die Herz-Jesu-Feuer und eine der beeindruckendsten Traditionen Südtirols.
Es gibt Abende in Südtirol, die man nicht vergisst. Der Herz-Jesu-Sonntag gehört ganz sicher dazu.
Sobald die Dämmerung einsetzt, beginnen auf den Berggipfeln und Berghängen rund um das Tal die ersten Feuer zu leuchten. Nach und nach entstehen riesige Herzen, Kreuze und christliche Symbole, die sich hell gegen den Nachthimmel abzeichnen. Ein beeindruckendes Schauspiel, das jedes Jahr zahlreiche Einheimische und Gäste in seinen Bann zieht.
Dabei reicht die Geschichte der Feuer weit über den Herz-Jesu-Brauch hinaus. Schon lange bevor es die heutigen Feuerbilder gab, entzündeten die Menschen rund um die Sommersonnenwende Feuer auf den Anhöhen und Bergen. Diese sogenannten Sonnwendfeuer sollten den längsten Tag des Jahres feiern, Licht und Wärme symbolisieren und böse Geister fernhalten. Wenn man heute die Feuer auf den Bergflanken sieht, spürt man noch immer etwas von dieser ursprünglichen Faszination: die Verbindung zwischen Menschen, Natur und den Bergen.
Erst im Jahr 1796 erhielt der Brauch seine heutige Bedeutung. In den Wirren der Napoleonischen Kriege vertrauten die Tiroler Landstände das Land dem Heiligsten Herzen Jesu an und baten um Schutz und Beistand. Das Gelöbnis wurde zum Symbol für Zusammenhalt, Hoffnung und Heimatverbundenheit – und die Feuer auf den Bergen zu einem sichtbaren Zeichen dieses Versprechens.
Auch der Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer erneuerte dieses Versprechen vor den Schlachten am Bergisel. Damit wurde der Herz-Jesu-Sonntag endgültig zu einem festen Bestandteil der Tiroler Identität.
Bis heute wird diese Tradition von Generation zu Generation weitergegeben und die Herz-Jesu-Feuer mit großem Einsatz vorbereitet. Freiwillige, Mitglieder des Alpenvereins und Bauern tragen Holz, Fackeln und Brennmaterial auf die Berge und entzünden nach Einbruch der Dunkelheit kunstvolle Feuerbilder in Form von Herzen, Kreuzen oder christlichen Symbolen.
Wenn schließlich hunderte Feuer den Himmel über dem Vinschgau erleuchten, entsteht eine ganz besondere Stimmung. Für viele ist es einer der schönsten Abende des Jahres – und für Gäste ein Erlebnis, das lange in Erinnerung bleibt.
Matill Journal






